Probiotische Joghurts – Lebensmittel mit Mehrwert?

Es müssen nicht immer die überteuerten Produkte sein, um der Darmflora etwas gutes zu tun (Quelle: Bigstock-ID-67719172-by-style-photographs)

Wer seiner Verdauung auf die Sprünge helfen möchte, braucht in den seltensten Fällen Medikamente. Oft reichen schon verdauungsfördernde Lebensmittel, um den Darm in Schwung zu bringen. In den Supermärkten finden wir Unmengen an probiotischen Joghurts, Eiweißdrinks und anderen verdauungsfördernden Lebensmitteln, die unter dem Begriff Functional Food zusammengefasst werden. Joghurts und Joghurtdrinks sollen laut Werbung bei schlechter Verdauung nützlich sein. Doch helfen die oft hochpreisigen Produkte wirklich?

Probiotika und das Wellnessmärchen

Probiotische Lebensmittel sind bei uns seit gut 10 Jahren auf dem Markt. Sie enthalten lebende Joghurtkulturen (Milchsäurebakterien), welche die Darmflora verbessern und beim Abnehmen helfen sollen. Wissenschaftler sind jedoch davon überzeugt, dass einfache Naturjoghurts den gleichen Effekt haben. Die Werbung spricht eine andere Sprache. Probiotika sollen für Körper und Geist extrem gut sein. Sie sollen nicht nur der Verdauung helfen, sondern auch vor Allergien schützen, speziellen Darmkrankheiten vorbeugen und das Immunsystem stärken.

Das fanden Lebensmittelchemiker über verdauungsfördernde Lebensmittel heraus

Wissenschaftler sehen die Werbeaussagen bezüglich probiotischer Lebensmittel äußerst kritisch. Lebensmittelkonzerne nutzen das neu erwachte Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung und präsentieren schnelle Lösungen für Probleme, die mit der Lebensweise einer Wohlstandsgesellschaft einhergehen. Da der Markt riesig ist, bemühen sie Studien, die die Wirksamkeit ihrer Produkte untermauern sollen. Diese Studien sind meist fragwürdig, da wissenschaftlich nicht belegt. Zusätzlich bieten sie ihre angeblich gesunden Lebensmittel überteuert an, gerechtfertigt durch den scheinbaren Zusatznutzen. Die Werbung setzt explizit auf Gefühle und nennt keine echten Fakten. Sie arbeitet mit nebulösen Aussagen, die sich weder belegen noch eindeutig widerlegen lassen.

Nur scheinbar therapeutische Wirkungen

Forscher stellen klar, dass es keine funktionellen Lebensmittel gibt. Es gibt gesunde und ungesunde Lebensmittel. Trotzdem möchten Verbraucher dies gerne glauben, nicht umsonst werden mit dem neuen Functional Food Milliardenumsätze generiert. Es scheint so einfach zu sein, Gesundheit aus dem Supermarkt mitzunehmen. Konzernen liegt offensichtlich wenig daran, Fakten über die tatsächliche Wirkung zu schaffen. Mit Actimel & Co. wird Lebensgefühl statt Gesundheit verkauft, doch die Verhinderung von Krankheiten ist nicht wirklich möglich. Daher raten Wissenschaftler von der Selbstmedikation ohne ärztliche Kontrolle dringend ab.

Natürliche gesunde Ernährung – und alles ist im Lot

Probiotische Joghurts, Joghurtdrinks usw. mögen gut schmecken, doch sie sind kein Ersatz für gesunde Ernährung. Foodwatch und Stiftung Warentest kritisieren die Versprechen der Industrie über angeblich verdauungsfördernde Joghurts und Joghurtdrinks. Nach Auffassung von Verbraucherschützern suggeriert die Werbung Eigenschaften, die diese Produkte nicht besitzen. Die Kritiker sind vielmehr davon überzeugt, dass ein viertelstündiger Spaziergang an der frischen Luft genau den gleichen Effekt hat. Die Studien, die Hersteller anführten, hätten höchsten minimale Effekte. Die Konzerne dagegen würden sie zu gigantischen Kampagnen mit unzutreffenden Aussagen aufblähen. Zweifellos haben Joghurts alle typischen Eigenschaften von Milchprodukten, doch eindeutig verdauungsfördernde Lebensmittel sind sie nicht. Unbestritten ist, dass die Nahrungsmittel kürzere Zeit im Darm verbleiben als andere Speisen, doch beeinflusst diese Tatsache nicht zwangsläufig die Verdauung. Wenn eine Wirkung eintritt, dann nur, wenn man die Produkte täglich über längere Zeit einnimmt. Erst dann können sich die Bakterien in der Darmflora ansiedeln. Nicht alle Milchsäurebakterien sind per se gesund. Manche Bakterienstämme können sogar Darmerkrankungen hervorrufen.

Milchsauer vergorene Lebensmittel – von Natur aus probiotisch

Wohlbefinden und Gesundheit hängen weniger vom Verzehr eines einzelnen Produktes als von einer insgesamt gesunden Ernährung ab. Daher empfiehlt sich ein vielseitiger Speiseplans mit frischem Obst, verschiedenen Milchprodukten, Vollkorngetreide und Gemüse. Schon lange ist die gesunde Wirkung bekannt, von Lebensmitteln wie zum Beispiel:

  • Sauerkraut
  • Gewürzgurken
  • Rote Bete
  • Dickmilch
  • Jogurt
  • Kefir

Seit Generationen verwendet man die Bakterien der milchsauer vergorenen Lebensmittel zum Konservieren. Dank der starken Säureentwicklung bleiben Keime fern. Von Trockenhefe (einem anderen natürlichen probiotisch wirkenden Lebensmittel) ist bekannt, dass sie Durchfallerkrankungen abschwächen kann. Andere Bakterienstämme könne die Unverträglichkeit von Laktose mildern. Schaden und Nutzen muss man also genau abwägen.

Günstigere und ebenso wirksame Alternativen

Verstopfung, Blähungen und Bauchkrämpfe müssen nicht sein, wenn man das Richtige isst. Es gibt viele natürliche Produkte, die die Verdauung anregen. Ballaststoffe wirken jedoch nur dann verdauungsfördernd, wenn man entsprechend viel trinkt. Sonst können sie den Stuhlgang sogar hemmen.
Früchte sind bekanntermaßen verdauungsfördernde Lebensmittel und grundsätzlich geeignet, harten Stuhlgang zu beseitigen. Sie schmecken, sind vitaminreich und halten den ganzen Organismus fit. Birnen, Johannisbeeren, Trauben und Äpfel können die Verdauung ganz ohne Unterstützung durch andere Produkte in Schwung bringen. Trockenobst ist ein bekanntes Hausmittel gegen Verstopfung. Getrocknete Feigen, Aprikosen und Pflaumen schmecken vielen Menschen sogar viel besser als frische. Auch Vollkornprodukte sind gute Ballaststofflieferanten. Zudem enthalten sie viele Vitamine und Mineralstoffe, die für die Gesundheit unentbehrlich sind. Ballaststoffe in der Schale des Getreidekorns tun der Verdauung besonders gut und beugen Krankheiten vor. Damit die Verdauung richtig funktionieren kann, muss man genügend trinken. Am besten eignen sich kohlensäurefreies Wasser oder Tee wie Pfefferminz-, Kamillen-, Anis- und Fencheltee.

Beispiele für ballaststoffreiche Lebensmittel:

  • Weizenkleie
  • Leinsamen
  • Haferkleie
  • getrocknete Feigen
  • getrocknete Aprikosen
  • Rosinen
  • Weizenkeime
  • Linsen
  • Artischocken

Medikamente zur Verdauungsförderung sind höchstens dann angebraucht, wenn man unter deutlichen Schmerzen leidet und bereits seit Tagen keinen Stuhlgang hatte. Diese und ähnliche Symptome sollte man immer vom Arzt untersuchen lassen. Doch zunächst kann man verdauungsfördernde Lebensmittel zu sich nehmen und viel trinken. Manchmal reicht sogar schon der Verzicht auf Schokolade, die bekanntermaßen stopft.

 

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